Ärzte haben einen eigenen Tarifvertrag mit den 34 Universitätskliniken in Deutschland, der höhere Mindestarbeitszeiten vorsieht, aber auch höhere Gehälter für Universitätsärzte vorsieht als Kollegen, die auf der Grundlage des TdL (Bundestarifvertrag) bezahlt werden. Ärzte an Universitätskliniken teilen ihren Arbeitsalltag oft zwischen Patientenbetreuung, Forschung und Lehre auf. Wenn ihre Forschungsarbeit länger als zwölf Monate überwiegt, fallen sie in die TdL-Kategorie. Ärztevertreter prangern diese Situation seit Jahren an, da sie die Motivation der Ärzte zur Forschung verringert. Die dreigliedrige Abteilung der Arzttätigkeit gibt ihnen mehr Abwechslung und interdisziplinäre Kontakte, aber sie opfern oft ihre Freizeit als Folge. Laut einer Umfrage arbeiten drei Viertel der Ärzte an Universitätskliniken mehr als 48 Stunden pro Woche, davon 23 % mehr als 60 Stunden pro Woche. Trotz Behandlungsverzögerungen sympathisieren Patientenorganisationen und einzelne Patienten mit dem Streik. Sie befürchten, dass die Gesundheitsversorgung in deutschen Krankenhäusern langfristig noch stärker bedroht wird, weil es an Ärzten mangelt, von denen viele ins Ausland gegangen sind oder die Medizin verlassen haben, und weil Ärzte müde und frustriert sind. Nach Angaben der Gewerkschaft verließen im vergangenen Jahr zwischen 6000 und 10 000 Menschen Deutschland. Die meisten Nicht-Notfallbehandlungen und Operationen in den Krankenhäusern wurden verschoben. Die Notfallversorgung und die gesamte Behandlung potenziell lebensbedrohlicher Krankheiten wie Krebs werden fortgesetzt. Die Unzufriedenheit wächst seit dem vergangenen Dezember, als 2200 Ärzte des Universitätsklinikums Charité (Bild) streikten.

Nach der ersten Streikaktion im August hat nur die hessische Landesregierung der Gewerkschaft eine neue Verhandlungsrunde angeboten. Alle anderen Staaten haben die Forderungen der Ärzte nach einer deutlichen Lohnerhöhung bisher abgelehnt. Diese nichtmedizinischen Arbeitskräfte sind Teil der Frontlinie des Kampfes gegen die Coronavirus-Pandemie. Ohne Krankenhaus-Hausmeister zum Beispiel wäre es für Ärzte und Krankenschwestern unmöglich, Patienten sicher zu behandeln. Sie haben viel Lob von Politikern erhalten, aber wenig wirkliche Entschädigung für ihr Leben riskiert. Bisher hat die Bundesregierung Den Krankenhausbeschäftigten nur einen einmaligen Bonus von 500 Euro gezahlt. Und nichtmedizinische Sanitätskräfte an der Charité sind bei einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft des Krankenhauses beschäftigt: der Charité Facility Management oder CFM. Am Montag begannen fast 400 CFM-Beschäftigte einen fünftägigen Streik. Sie wollen nach dem gleichen Tarifvertrag bezahlt werden wie alle anderen Charité-Beschäftigten. Mehr als 22 000 Ärzte in den meisten der 36 deutschen Universitäts- und Landeskrankenhäuser haben beschlossen, ab dem 16. März auf unbestimmte Zeit zu streiken.

Wie der Marburger Bund mitteilte, stimmte eine überwältigende Mehrheit der Mitglieder für einen Streik, der bisher nur in acht Universitätskliniken begonnen hat. Sie werde sich aber auf andere Regionen ausdehnen, teilte der Marburger Bund mit. Alle Charité-Beschäftigten werden nach dem entsprechenden Tarifvertrag bezahlt und erhalten ein attraktives Gehalt, das regelmäßig gezahlt wird.

 

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